Stücke für Herz und Seele

03.01.2011 - WIESBADEN

Von Joachim Atzbach

NATURHORNBLÄSER Premiere der traditionellen Veranstaltung im Innern des Jagdschlosses

Einmal waren bei eisiger Witterung sogar die Umschaltventile der Hörner eingefroren. Wovon man sich aber nicht im Geringsten hatte beeindrucken lassen. Auch nicht, als in einem anderen Jahr der Sturm so stark in die Schallbecher der Instrumente blies, dass denen kein Ton entweichen wollte. So ist halt manchmal das Wetter, am Neujahr vor dem Jagdschloss Platte. Mit so etwas muss man leben. Als Jagdhornbläser.

Manfred Lommatzsch, Vorsitzender der Naturhornbläser Hessen und auch Vorsitzender der Jagdhornbläser Wiesbaden, erklärt, warum das so ist und nicht einfach Konzerte witterungsbedingt Knall auf Fall abgesagt werden konnten: „Weil wir das neue Jahr anblasen müssen.“ Wohlgemerkt: müssen. Denn das ist nun mal die unumstößliche Tradition der Jagdhornbläser. Und dass dies ausgerechnet auf der Platte geschehen muss und nicht etwa im Tattersall oder sonstwo, auch dafür hat Lommatzsch eine einfache Erklärung: „Weil das Jagdschloss unsere Heimat ist. Weil wir uns dort zu Hause fühlen.“

Begonnen hat es im Jahr 1991 mit der Idee von Lommatzsch, das neue Jahr anzublasen. Und welche Örtlichkeit in Wiesbaden wäre dazu besser geeignet gewesen, als das alte Jagdschloss der Herzöge von Nassau. „Da lag noch der Schutt in der Ruine“, erinnert sich Lommatzsch ans erste Anblasen, das inzwischen für viele Wiesbadener zum Neujahrstag einfach genauso dazu gehört wie das Silvesterfeuerwerk. Der Erfolg stellte sich am Neujahrstag 1992 sofort ein. „Es hat Gefallen gefunden“, formuliert das Lommatzsch schmunzelnd. Die Spaziergänger blieben stehen, hörten zu, kamen am nächsten Neujahrstag wieder, diesmal mit Freunden im Schlepptau, die wiederum ihrerseits das Neujahrskonzert auf der Platte weiter empfahlen. Und daraus sind mittlerweile 700 bis 800 Zuhörer geworden, die am ersten Tag des neuen Jahres regelmäßig auf den Taunuskamm pilgern

Es war Frühjahr 2000, als die Geburtsstunde der „Naturhornbläser Hessen“ schlug. Der Wunsch von Andreas Kimmel aus Hohenstein, Organisationsleiter der ersten internationalen Hubertusjagd in Neustadt an der Dosse, den großen Zapfenstreich in Kavalleriefassung aufzuführen, führte dazu, dass sich ein Team von Bläsern zusammenfand, um den Zapfenstreich einzustudieren. „Jagdmusik ist für uns Bläser wie eine Droge. Wer einmal das Horn gespielt hat, kommt nicht mehr davon los“, schildert Lommatzsch.

Weitere Höhepunkte der „Naturhornbläser Hessen“ waren im Mai 2000 ein Auftritt in der Semperoper in Dresden, im Dresdner Zwinger sowie ihr Mitwirken beim Großen Zapfenstreich in Berlin. Regelmäßig finden Konzerte im Wiesbadener Kurhaus Wiesbaden und in Kloster Eberbach statt.

Die Jagdhornbläser führten aber auch sonst Gutes im Schilde. Denn am Ende der kostenlosen Neujahrskonzerte kreist stets der Spendenhut für die Sanierung und Restaurierung des Jagdschlosses. Seit 2007 eben für dessen Erhalt. Und Neujahr 2010 durften die Jagdhornbläser dann zum ersten Mal ins Schloss. „Wir spielen jetzt im Warmen“, formulierte Lommatzsch.

Und dieser Umzug hat dem Konzert sehr gut getan, was auch an diesem Neujahrstag deutlich zu hören war. Vorbei die Zeit der verwehten Töne. Musik und Raum harmonieren prächtig miteinander. Vier Bläsergruppen, auf den Freitreppen aufgestellt, hatten die Naturhornbläser aufgeboten: Parforcehorncorps Jagdschloss Platte unter Leitung von Karl-Heinz Kliegel, Reiterliche Jagdhornbläser Idstein/Taunusstein unter Leitung von Karin Lenz, die Bläsergemeinschaft Diana/Hubertus Wiesbaden unter Leitung von Dietmar Pohl sowie das Alphornquintett Rheinkiesel unter Leitung von Dieter Schmid.

„Gehobene Stücke, die Herz und Seele erfreuen“, hatte Lommatzsch das 90-minütige Programm angekündigt, was die Bläser auch vortrefflich umzusetzen verstanden. 800 Zuhörer dankten es mit lang anhaltendem Applaus. In diesem Jahr sind es 610 Euro Spendengelder, die dem Jagdschloss zugute kommen.

 

Auch die Alphörner dabei

03.01.2011 - WIESBADEN

Von Joachim Atzbach

KONZERT Auf der Platte stimmen zum 19. Mal Jagdhornbläser aufs neue Jahr ein

Hannah ist am 17. Dezember ein Jahr geworden. Die Frage ist nur, ob sie schusssicher ist? Mutter Dagmar meint, dass Hannah schusssicher ist. Hannahs Großmutter meint es auch: „Klar, ist unsere Hannah schusssicher.“ Hannah, mit rosa Schnuller in der Babyschnute, sieht derweil mit großen Augen zu, wie sich das Jagdschloss Platte füllt. Mit immer mehr Menschen und noch mehr Menschen, die zum Neujahrskonzert strömen, das die Naturhornbläser Hessen zum 19. Mal organisiert haben. „Wir freuen uns seit 364 Tagen darauf“, sagen unisono Hedwig und Gerhard Jung. Zwei Stunden lang waren die beiden Erbenheimer vorher auf der Platte spazieren. Was für sie einfach zum Neujahr dazu gehört. Seit sieben oder acht Jahren: „Vor diesem wunderschönen Klangerlebnis“.

15 Minuten vor Konzertbeginn ist Manfred Lommatzsch, Organisator des Publikumsmagneten, die Ruhe selbst. Längst sind noch nicht alle mitwirkenden Bläser eingetroffen. Der vertrackten Parkplatzsituation auf der Platte geschuldet. Dennoch ist Lommatzsch die Armbanduhr keinen Blick wert: „Wir werden Schlag Drei beginnen.“

Als die Bläsergemeinschaft Diana/Hubertus tatsächlich pünktlich zum „Sammeln“ eröffnet, kommen noch immer Musiker ins Jagdschloss gehastet. „Wir wollen für euch alle das neue Jahr anblasen“, sagt Lommatzsch in seinen Begrüßungsworten. „Unser Ziel ist es, die deutsche Jagdmusik zu pflegen.“ Dreimal wird nun „Horridoh“ gerufen. Was herstammt von: „Hoch, Rüde, hoch“, eben: „Ho’ Rüd’ Ho“.

„Lasst die Hörner erklingen“, gibt Lommatzsch danach das endgültige Startsignal zum eineinhalbstündigen Programm. Vier Bläsergruppen, auf den Freitreppen aufgestellt, haben die Naturhornbläser aufgeboten: Parforcehorncorps Jagdschloss Platte unter Leitung von Karl-Heinz Kliegel, Reiterliche Jagdhornbläser Idstein/Taunusstein unter Leitung von Karin Lenz, die Bläsergemeinschaft Diana/Hubertus Wiesbaden unter Leitung von Dietmar Pohl sowie das Geisenheimer Alphorngruppe Rheinkiesel unter Leitung von Dieter Schmid. „Sind auch die Alphörner wieder mit dabei?“, wurde vom Publikum schon im Vorfeld deren majestätischer Klang herbeigewünscht. Es ist das zweite Konzert innerhalb des Jagdschlosses. Nach der Premiere des vergangenen Jahres ist es diesem Konzert noch deutlicher anzuhören, wie gut die Raumakustik der Bläsermusik tut, im Gegensatz zu den Freiluftaufführungen, wo doch arg viel Töne regelrecht verweht wurden. „Gehobene Stücke, die Herz und Seele erfreuen“, hatte Lommatzsch angekündigt, was die Bläser auch vortrefflich umzusetzen verstanden.

800 Zuhörer dankten es mit lang anhaltendem Applaus. 610 Euro Spendengelder kommen dem Erhalt des Jagdschlosses zugute.

Hannah hat sich tatsächlich „schusssicher“ gezeigt. Auch ein Wort, das aus der Jägersprache stammt. Es hat keine andere Bedeutung als „eine Situation gewöhnt sein“. Denn schließlich bläst Hannahs Papa Jens bei der Bläsergemeinschaft Diana/Hubertus Wiesbaden, regelmäßig ins Horn. Und geübt wird das zu Hause.

„Hufgeflüster.eu –Pferdezeitung“ 18.11.2009

 

Zur 10. Internationalen Hubertusjagd

auf Schloß und Gut Liebenberg...

 

 

luden als Jagdherren am 7. November 2009  Andreas H. E. Kimmel und  Dr. Britta Czasch ein.

Als Ehrenjagdherr begrüßte der Botschafter der Republik Kasachstan S. E. Nurlan Onzhanov mit einer längeren Ansprache die vielen Gäste.

Ehrenmaster waren Till Demtröder aus Hamburg undDieter Quaas aus Leipzig.

Der Master of Fields, Bernd Schiel, aus Berlin, erklärte kurz das Reglement und wies dem Springer- sowie dem Nichtspringerfeld die Plätze zu, bevor es dann endlich hinter der Mecklenburger Meute mit dem Master of Hounds, Gabriel Rodenberg, losging.

Die Springer hatten eine Strecke von 31 Hindernissen vor sich, wovon wir auf den von Traktoren gezogenen Anhängern leider nur wenig sehen konnten. Dafür hatten wir viel Spaß mit Beobachtungen so am Rande. Eine Reiterin auf einem hübschen Schecken verließ plötzlich das Jagdfeld und kam auf unsere Fahrzeugkolonne zu. Wir befürchteten schon, dass sie verletzt sei. Aber nein, sie stieg vom Roß, das von einem eilig herbeigelaufenen Helfer gehalten wurde und  - verschwand kurz im Gebüsch! Die Fox Hounds waren auch sehr lustig, da sie ab und an ihre Nasen in andere Gerüche steckten, als in die der gelegten Fährte. Und wenn alle schon vorbeigestürmt waren, kam es vor, dass plötzlich noch so ein Geselle mit fliegenden Ohren dem Feld hinterherhechelte. Und nach diesem letzten kam dann noch der allerletzte, der allen Unkenrufen zum trotz doch noch die richtige Fährte wiederfand.

Der Große Zapfenstreich in Kavalleriefassung für Naturhörner, Pauken und Trompeten, aufgeführt von den Naturhornbläsern Hessen, gab dem Tag einen stimmungsvollen Abschluß.

 

Autor und Bilder: Jutta Schroer